Aus "Die Rheinpfalz" - Nr. 183 vom 9.8.2003
Ein Artikel von Ursula Schramm

Das Herz des Leinigerlandes schlägt in Grünstadt

Genau dort, wo sich im Landkreis Bad Dürkheim zwei der wichtigsten Straßen für die Pfälzer, die Autobahn 6 und die Weinstraße, kreuzen, liegt Grünstadt. Die Kreuzung ist Sinnbild für die Standortvorteile, die die Kleinstadt am nördlichen Haardtrand zu bieten hat: Verkehrsgünstige Lage und Lebensqualität.
Dem Mittelzentrum im Leiningerland, in dessen Einzugsbereich rund 70.000 Menschen leben, bescherten diese Faktoren in den vergangenen 30 Jahren eine beeindruckende Entwicklung: Das Gewerbegebiet im Osten der Stadt expandierte von 15 auf 96 Hektar und die Einwohnerzahl stieg von knapp 11000 im Jahr 1973 auf rund 14000 an, was belegt, dass das Herz des Leiningerlandes mit den 1969 eingemeindeten Weindörfern Asselheim und Sausenheim ein beliebter Wohnort ist. Dazu beigetragen haben nicht nur neue Baugebiete, sondern auch die gute Infrastruktur und die schöne Umgebung mit Wald, Weinbergen und Burgen.

Für Familien mit Kindern hat Grünstadt viel zu bieten. Die sechs Kindertagesstätten bieten 460 Plätze, besondere Angebote machen das Haus des Kindes (im Jahr 2000 eröffnet), in dem Kinder von fünf Monaten bis 14 Jahren betreut werden und die Integrative Kindertagesstätte der Lebenshilfe, die seit 1997 nicht behinderten und behinderten Kindern offen steht. Auch die Schullandschaft ist vielfältig. Neben drei Grundschulen, Hauptschule, Realschule und Gymnasium gibt es Sonderschulen für Lernbehinderte und geistig Behinderte. Die Musikschule Leiningerland, die nicht von der Kommune, sondern seit 1976 von einem Trägerverein betrieben wird, besuchen 1100 Schüler.

Die medizinische Versorgung garantieren rund 35 niedergelassene Ärzte und das Kreiskrankenhaus mit 212 Betten, das die Bereiche Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie mit Geburtshilfe sowie Anästhesie mit Schmerz-therapie abdeckt. Außerdem hat die Klinik eine Hals-Nasen-Ohren-Belegabteilung und eine geriatrische Tagesklinik. Auch zwei große Altenheime haben in der Stadt ihren Standort.

Aber diese Pluspunkte machen eine Stadt allein nicht attraktiv zum Wohnen und Leben, zur "liebenswerten Kleinstadt" wie ein früherer Bürgermeister Grünstadt treffend charakterisierte. Mittelpunkt des kleinstädtischen Lebens ist die 500 Meter lange Fußgängerzone, die seit 28 Jahren zum Bummeln, Einkaufen und Verweilen in Cafés einlädt. Trotz der zahlreichen neuen Einkaufsmärkte an der Peripherie ist sie noch lebendig, machen hier in erster Linie Fachgeschäfte ein individuelles Angebot.
Vielfältige Aktionen des Wirtschaftsforums Grünstadt, der Werbegemeinschaft des Einzelhandels, sorgen über das ganze Jahr dafür, dass auf dem Pflaster zwischen Martinskirche und Röhrenbrunnen was los ist. Wer es ruhiger mag, findet Erholung im Wald des Stadtparks auf dem Grünstadter Berg, der vom Zentrum in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen ist. Dort wurde vom Förderverein "Stadtpark und Grünstadter Berg" die Sommerhalle für kulturelle Veranstaltungen restauriert, eine Kneippanlage und ein Fußfühlpfad im Park tragen zum Wohlbefinden bei.Wanderer und Radfahrer finden für ihr Hobby ausgeschilderte Wege durch die Weinberge, im Eistal und im Wald.

Beliebtes tes Ausflugsziel ist auch die Weinwanderhütte bei Asselheim, von der sich weit in die Vorderpfalz blicken lässt. Sportliche können sich in 14 Sportvereinen betätigen und die Sportanlagen nutzen: Das Allwetterbad, bei dem sich das Dach über dem 50-Meter-Wettkampfbecken öffnen lässt und auf 700 Quadratmetern eine Saunalandschaft zum Schwitzen einlädt, das Rudolf-Harbig-Stadion mit Rasen- und Hart-plätzen sowie Leichtathletikanlagen, das Kegelzentrum, die Tennis- und Schießsportanlagen auf dem Grünstadter Berg, wo auch die Freunde von Modellflugzeugen ihr Revier haben. Wer mit dem Segelflugzeug in die Luft gehen will, kann dies auf dem nahe gelegenen Quirnheimer Berg tun.

Auch kulturelles Leben gedeiht in der Stadt und in den Ortsteilen. Besonders beliebt sind die Reihe "Kultur im Weingut" und die Konzerte der Grünstadter Kantorei in der Martinskirche. Bücherfreunde können sich ohne Gebühren Lektüre in der Stadtbücherei ausleihen, und für historisch Interessierte bietet das Heimatmuseum im Alten Rathaus interessante Einblicke. Zur Lebensqualität in einer Stadt an der Weinstraße gehört natürlich auch ein guter Tropfen. 30 selbstvermarktende Weinbaubetriebe, größtenteils in den eingemeindeten Weindörfem Asselheim und Sausenheim, sorgen dafür, dass der Nachschub nicht ausgeht. Auf rund 325 Hektar, das sind rund 20 Prozent der Grünstadter Gemarkung, wachsen Reben.
Doch wirtschaftlich wichtiger als der Weinbau sind schon seit langem die mittelständischen Betriebe im Gewerbegebiet, das nach dem Willen der Stadtspitze weiter wachsen soll. Zurzeit wird an Plänen zur Ausweisung von weiteren 31 Hektar gearbeitet, so dass das Areal dann 127 Hektar groß sein wird. Das 15 Hektar große Firmengelände der Firma Stocké wurde zur Keimzelle des Gewerbegebietes, wo heute über 100 mittelständische Firmen ihren Standort haben. Dank dieser guten Entwicklung konnte die Stadt auch die Schließung des Feuerfestbetriebes Didier und den Personalabbau im US-Depot von rund 900 auf 350 Beschäftigte verkraften.